Das I-Ging

 

Das I-Ging ist ein über 3000 Jahre altes chinesisches Orakelsystem, das im Westen hauptsächlich durch den Schweizer Psychoanalytiker C.G.Jung bekannt geworden ist. Jung und der deutsche Missionar Richard Wilhelm, dem wir die erste brauchbare I-Ging-Übersetzung verdanken, kamen zu dem Schluss, dass das I-Ging dem Fragesteller das Unbewusste widerspiegelt. Dieser Umstand war für Jung von großer Bedeutung.

 

Die einzelnen Kapitel des I-Ging-Textes beziehen sich jeweils auf eine der insgesamt 64 möglichen Orakelantworten. Diese bestehen aus sechs übereinanderliegenden Linien, durchgezogen oder unterbrochen, und werden Hexagramme genannt.

 

Sie beschreiben die grundlegenden Harmonieprinzipien, die dem Kosmos als Ganzem Dauer geben.

 

Diese kosmischen Harmonieprinzipien definieren auch unsere wahre Natur. Sie stellen gewissermaßen eine Blaupause dessen dar, was wir sind, und diese Blaupause ist in der DNA in jeder unserer Körperzellen enthalten.

 

Folglich befinden wir uns im Einklang mit der ganzen Natur und dem Kosmos, wenn wir im Einklang mit unserer wahren Natur sind. Daher ist der Einklang mit uns selbst auch von so großer Bedeutung für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden.

 

Wie uns das I-Ging zeigt, drückt sich Harmonie des Kosmos in seiner unablässigen Fürsorge für alles aus, was sich mit ihm im Einklang befindet. Das bedeutet für uns Menschen, dass unser Verstand im Einklang sein muss mit dem, was der Körper durch die DNA weiß . Das I-Ging bezeichnet dieses innere Wissen als unsere „Innere Wahrheit“. Plötzlich erleben wir die Fürsorge des Kosmos als strahlende Gesundheit, als Wohlbefinden und als inneren Frieden und Erfüllung. Das Orakel beschreibt diesen Zustand mit dem einfachen Wort >Erfolg<.

 

Im Einklang mit unserer wahren Natur zu sein bedeutet, dass wir wirklich wir selbst sind, ohne die Notwendigkeit, unsere Existenz zu erklären, zu rechtfertigen oder hervorzuheben. Krankheit zeigt uns an, dass wir uns auf die eine oder andere Weise getrennt haben; die Ursache dafür kann in uns selbst liegen oder im Einfluss von Gedanken, die andere auf uns projiziert haben.

 

Je mehr Ideen und Bilder wir in unserer Psyche speichern, die im Widerspruch zur inneren Wahrheit unserer DNA stehen, desto mehr fühlen wir uns vom kosmischen Segensstrom ausgeschlossen, der unter anderem auch die wahre Quelle unserer Hilfe und unseres Schutzes ist. Wenn dies der Fall ist, werden wir anfällig für Krankheiten. Wenn wir uns zu weit weg von unserer inneren Wahrheit entfernen, rennen wir gegen die >kosmische Mauer< , die uns Menschen unsere Grenzen setzt. Dann erleben wir Krankheit als widriges Schicksal, das wir selbst erzeugt haben. Das Orakel verwendet dafür das Wort >Unheil<.

 

Was genau bedeutet dieser Begriff? Er bedeutet den Verlust des >Heils< , das wir besitzen, wenn wir uns im Einklang mit dem Kosmos befinden. Dieser Einklang ist das Ergebnis der Zusammenarbeit unseres Verstandes mit allen Zellen unseres Körpers sowie mit der Natur und dem Kosmos. Obwohl es viele Ursachen für Krankheit gibt, kann eine gesundheitliche Störung ein Spiegel dafür sein, dass wir unsere natürliche, positive symbiotische Beziehung in einem oder allen dreien dieser Bereiche verloren haben.

 

Oft sind es widrige Umstände, die uns dazu bringen, das I-Ging zu befragen. Die Auskünfte des Orakels zeigen uns dann, in welcher Hinsicht unser Denken von unserer inneren Wahrheit abgewichen ist. Damit eröffnet es uns die Möglichkeit, uns von den fehlgeleiteten Ideen, die unsere Symbiose stören, zu befreien und dadurch das widrige Schicksal zu beenden.

Dann ist der Weg frei zur Selbstheilung mit kosmischer Hilfe.

 

Wie aus dem oben Gesagten hervorgeht, fungiert das I-Ging als Übersetzer unseres tiefsten inneren Fühlwissens, indem es dieses in Worte fasst. Damit macht es dieses Wissen unserem Verstand zugänglich.

 

Das I-Ging hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass jeder Mensch eine solche Übersetzungsfunktion als Teil seiner natürlichen Ausstattung besitzt. Leider bringt uns unser Konditionierung schon früh dazu, die Informationen, die von dieser Quelle aufsteigen, zu missachten; das führt dazu, dass sich unsere angeborene Übersetzungsinstanz mangels Nutzung verschließt. Das Orakel kann zeitweilig diese Funktion übernehmen, während wir allmählich wieder Zutrauen zu dem entwickeln, was unser tiefstes Inneres >weiß<.

Außerdem fungiert das I-Ging als unser kosmischer Lehrer, der uns hilft, die wahre Natur des Kosmos und sein Weben zu verstehen.

 

Wenn wir die Antworten des Orakels auf unsere Fragen lesen, erleben wir so etwas wie ein Wiedererkennen und ein Gefühl von tiefer Resonanz. Häufig hören wir Menschen sagen: > Das habe ich schon immer in meinem tiefsten Inneren gewusst, aber ich habe es mich nicht getraut, es zu glauben.<

 

Es gibt andere Menschen, die das I-Ging viele Jahre in dem Glauben benutzen, ihr Schicksal stehe in einem kosmischen Buch geschrieben und die Worte >Erfolg< oder >Unheil< seien in diesem Sinne als Wahrsagungen zu verstehen. Diese bedauerliche Schlussfolgerung ist das Ergebnis eines nur oberflächlichen Gebrauchs des I-Ging, und so manches I-Ging-Buch ist in diesem Stil geschrieben. Dabei lassen seriöse Übersetzungen des I-Ging keinen Zweifel daran, dass wir zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens unsere Zukunft selbst bestimmen und dass alles, was uns widerfährt, das unmittelbare Ergebnis der Vorstellungen ist, die wir in unserer Psyche beherbergen. Die Zukunftsvoraussagen des I-Ging sind also immer relativ zu verstehen - bezogen darauf, ob die Haltung und die Gedanken, die wir derzeit pflegen, im Einklang mit dem Kosmos sind. Wenn dies nicht der Fall ist, so heißt das nicht, dass wir dazu verurteilt sind, Unheil zu ertragen.

 

Das I-Ging zeigt uns mit seinem gesamten Text, wie wir unser Denken und unsere Handlungen berichtigen und dadurch unserer Zukunft eine neue Richtung geben können.

aus: "Heile Dich selbst im Einklang mit dem Kosmos" von Hanna Moog und Carol Anthony

 

64 Hexagramme